Sprache verbindet …

AWO Sprachheilzentrum Bad Salzdetfurth

Fragen sind Geschenke!

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Drei Sprachtherapeutinnen des Sprachheilzentrums und zwei Lehrerinnen der Burgbergschule nahmen kürzlich an einer Fortbildung von Herrn Prof. Dr. Hans-Joachim Motsch in Rastede teil. In dem zweitägigen Workshop mit dem Titel: „Der Wortschatzsammler – Strategietherapie lexikalischer Störungen im Vorschul- und Schulalter“ ging es um Fragen zum Erlernen und Abspeichern neuer Wörter, zum Aufbau und zur Organisation unseres Lexikons sowie um Strategien, um Wörter zum passenden Zeitpunkt abrufen zu können.

Besonders Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung im semantisch-lexikalischen Bereich müssen mitunter so viele fehlende Wörter „aufholen“, dass es fast unmöglich erscheint, dass sie ihren Wortschatz in kürzester Zeit durch reines „Vokabel lernen“ und vor allem mit der nötigen Motivation altersentsprechend füllen können. Kinder, die immer wieder die negative Erfahrung gemacht haben, dass Nachfragen nicht erwünscht ist oder die sich schämen, etwas nicht zu wissen, werden über kurz oder lang zu „Ja-Sagern“, umschreiben umständlich fehlende Wörter oder treten gar bei sehr hoher Frustration den sozialen und verbalen Rückzug an. Kinder müssen aber neugierig auf unbekannte Wörter sein und sich sogar freuen dürfen, wenn ihnen ein unbekanntes Wort begegnet. Denn wer zu wenige Worte hat, dem fehlt es vor allem an Erfahrung mit seiner Umwelt und am Mut, Fragen zu stellen. Fragen gelten jedoch als wichtigster Motor der lexikalischen Entwicklung und bilden daher das zentrale Prinzip dieser Therapieform.

Die Wortschatzsammler

Vor diesem Hintergrund entwickelte der Referent die Idee, neue Wörter nicht stur auswendig zu lernen, sondern sie wie Piratenschätze zu sammeln, sie in ihrer Funktion und Bedeutung kennenzulernen, sie zu beschreiben und sie dann für immer (im Kopf) zu behalten. Zu jedem neuen Begriff werden sich somit sogenannte Konzepte angeeignet, die sich letztlich zu einem großen Netzwerk im Gehirn miteinander verknüpfen. Zu dem Wort „Zitrone“ lernt man so, dank der Netzwerktheorie, sehr viele weitere Begriffe kennen, z.B. sauer, gelb, schälen, auspressen, Spanien, Kern, Saft, oval, dreisilbig, Nomen usw., wodurch sich das Lexikon rasant erweitert und der Wortabruf beschleunigt wird. Der „Wortschatzsammler“ war geboren.

Mithilfe von Pirat Tom, einer Handpuppe, sammeln die Kinder nun all jene Wörter in Form von Bildern oder Gegenständen aus einer Schatzkiste, deren Bedeutung sie nicht kennen. Wer ein unbekanntes Wort findet, fragt nach und übt mit Hilfe von verschiedenen Strategiemethoden, diese neuen Wörter in sein Lexikon aufzunehmen und dort abzuspeichern. Natürlich darf hier der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen: Substantive werden nach Möglichkeit als reale Gegenstände präsentiert, deren Funktion spielerisch ausprobiert werden kann, wodurch neue Erfahrungen gemacht werden. Neue Erfahrungen führen wiederum dazu, dass sich neue Konzepte angeeignet werden und das Netzwerk des Gehirns weiter ausgebaut wird. Am Ende der Therapiestunde kommt der „Zauberer“ und fragt den Namen und die Bedeutung der gefundenen „Schätze“ ab. Die Schätze werden anschließend in kleine Fotos verzaubert und können dann in ein „Schatzheft“ eingeklebt und später mit nach Hause genommen werden.

Die wichtigste Erkenntnis dieser Fortbildung ist: Jeder kann zum Wortschatzsammler werden und seine persönliche Schatztruhe jeden Tag mit neuen Schätzen in Form von Wörtern füllen! Unser aller Aufgabe besteht darin, Kinder zu ermutigen, nachzufragen, wenn sie ein Wort nicht kennen oder dessen Bedeutung nicht verstehen, denn: Fragen sind Geschenke!

(fl/as)

 

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Autor: AWO Sprachheilzentrum

Eine Einrichtung der AWO Kinder, Jugend & Familie Weser-Ems GmbH in Oldenburg

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