Sprache verbindet …

AWO Sprachheilzentrum Bad Salzdetfurth


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Hillebille und Beißkatze – Kinder im Zwinger!!!

Am Donnerstag vor der Osterabreise haben wir einen Ausflug nach Goslar in den Zwinger unternommen.
Mit einer Mauerstärke im unteren Bereich von 6,5 Meter, einem Durchmesser von 26 Metern und einer Höhe von 20 Metern gehört der Zwinger zu den stärksten noch bestehenden und genutzten Befestigungstürmen Europas. Heute sind im Zwinger ein Restaurant, drei Ferienwohnungen und ein Museum untergebracht.
Das Museum haben wir besucht und eine schöne Führung erhalten. Unter anderem erfuhren wir, was eine Hillebille und und eine Beißkatze ist. Eine Hillebille war das Telefon des Mittelalters: An einem Holzgestell wurden Bretter aufgehängt, auf die mit einem Knüppel geschlagen wurde. Der dabei entstehende Ton ist über etwa 3 – 4 Kilometer zu hören. So haben sich damals die Menschen im Harz Nachrichten zukommen lassen.

Zwinger Goslar II

Eine Beißkatze ist ein Holzverschlag mit Holzgittern und zwei kleinen Abteilungen. Wenn zwei Menschen sich gestritten haben, wurden sie dort eingesperrt – so lange, bis sie sich wieder vertragen haben. Eine Beißkatze stand immer mitten auf einem Marktplatz, so dass alle Menschen ringsherum alles mitbekommen haben.

Zwinger Goslar
Wir konnten viel ausprobieren: Kettenhemden anprobieren und ihr Gewicht fühlen, eine Rüstung anziehen, ein Schwert hochheben, ein Katapult aufziehen, uns in die Beißkatze stellen, …
Zum Schluss wurde jedes Kind zur Ritterin bzw. zum Ritter des Zwingers zu Goslar „geschlagen“, und hat eine Urkunde darüber erhalten.

 

Wer selbst mal hin möchte, hier ist der Link. Wirklich zu empfehlen!!!

http://www.zwinger.de/museum.php

 

Text: dh/hmo, Fotos dh

 

 


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Kindeswohl in Bad Salzdetfurth – 3. Teil

Kinderheilanstalten in Bad Salzdetfurth:
Die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts

Postkarte Bad Salzdetfurth Postkarte Hildurheim

Wir waren im Jahr 1902 stehengeblieben. Das Hildurheim hieß noch nicht Hildurheim, sondern einfach Kinderheilanstalt und musste bereits 1899 erweitert werden, gerade mal 15 Jahre nach dem Bau.
Hildurheim

Die schon damals übliche penible Buchführung ermöglicht es uns, ziemlich genaue Einblicke in den Betrieb der Heilanstalt zu nehmen: So wurden im Jahr 1906 787 Kinder aufgenommen, davon 739 evangelisch, 45 katholisch und 3 israelitisch (also jüdisch). Die Kinder blieben einen Monat, die Eltern mussten für die Badekuren ihrer Kinder  45 Mark, im Ferienmonat Juli 90 Mark bezahlen.

Esssaal im Hildurheim

Für mittellose Familien wurden 32 Freiplätze quasi „gesponsert“ (auch wenn das Wort natürlich noch nicht gab). 12 davon wurden von der Hildesheimer Landschaft (quasi dem Vorläufer vom Landkreis Hildesheim) finanziert, 8 von der Gräfin von Schwicheldt, 6 vom Henriettenstft in Hannover, 1 vom Magistrat in Hannover, 1 vom Töchterpensionat des Fräulein von Hern und eine Stelle wurde gestiftet von der Leiterin der Kinderheilanstalt, Schwester Hildur selbst – eine großzügige Geste auch damals schon.

Den Arbeitsalltag der Diakonissen und ihrer Gehilfinnen, die die Kinder betreuten und pflegten, beschreibt am besten dieser Ausschnitt eines Jahresberichtes:

Schwestern Hildurheim

 …. sie sind die eigentlichen Arbeiterinnen der Anstalt. Jedem Schlafzimmer ist eine Gehilfin zugeteilt. Nie sind die Kinder ohne Aufsicht. …… Des Morgens wird gebadet, nach dem Bad und Frühstück wird gesungen und gespielt, nach dem Mittagessen geschlafen; um 3 Uhr wird alles, was gehen kann, nach Möglichkeit hinausgeführt. Um 7 Uhr geht’s in der Regel zu Bett. Die Pflegerinnen haben oft kaum ein halbes Stündchen für sich, denn abends, wenn die Kinder schlafen, gibt’s Zeug zu flicken und Schuhknöpfe anzunähen.

Die Kinderheilanstalt, das spätere Hildurheim, wurde immer wieder erweitert. Von Isolierzimmer über Spielsaal, Badehaus und eines neuen Haupthauses reichten die An- und Umbauten, sodass bis zu 800 Kinder im Laufe eines Sommers behandelt werden konnten. Ab dem Herbst 1902 wurde das Haus das Jahr hindurch geöffnet – auch Winterkuren waren nun möglich

–   Fortsetzung folgt –

Diese Chronik wurde nur dank alter Bilder, Unterlagen und Bücher möglich. Und wir suchen immer noch! Falls Sie uns dabei helfen könnten, würden wir uns sehr freuen.

Waldansicht Hildurheim

(as/hg)


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So ging es weiter: Kindeswohl in Bad Salzdetfurth

Von der Kinderheilanstalt zum
AWO Sprachheilzentrum in Bad Salzdetfurth – 2. Teil

Die in der „Kinderheilanstalt“ betreuten Kinder kamen fast aus dem gleichen Einzugsbereich wie die unseres heutigen Sprachheilzentrums: Von Goslar bis Walsrode wurden Kinder im Alter zwischen 2 bis 15 Jahren aufgenommen, die jeweils vier Wochen in Salzdetfurth verbrachten. Geleitet wurde die Einrichtung von Diakonissen des Henriettenstifts.

Schnell wuchsen Bedarf und Kinderzahlen, so dass bereits 1882 der Grundstein für ein eigenes „Anstaltsgebäude“ (später nach der ersten Leiterin „Hildurheim“ genannt) am Fuß des Burgbergs gelegt wurde, welches zwei Jahre später bezogen werden konnte. Dieses Gebäude bot 80 Kindern gleichzeitig Platz und verfügte über ein eigenes Badehaus.

Hildurheim

Wie bescheiden damals gewirtschaftet werden musste, vermittelt sehr gut der Spendenaufruf von Pastor Hölty im Namen der Kinderheilanstalt im „Hildesheimer Kurier“:

„Das neue Haus der Kinderheilanstalt in Salzdetfurth steht jetzt fertig da und wartet mit seinen schönen, luftigen Räumen der kranken Kinderschar, die mit Eröffnung der diesjährigen Kurzeit im Mai einziehen soll. Die Räume reichen aus, aber sie stehen noch kahl und fast leer da; denn das bislang vorhandene Inventar verschwindet fast in dem neuen großen Hause. Woher nehmen wir die notwendigen Sachen, um die Zimmer wohnlich einzurichten? …. Wer hat für unsere Anstalt ein entbehrliches Stück Hausgerät stehen und will es uns schenken? Es fehlen namentlich noch Tische, Stühle, Kommoden, Schränke, Bettstellen, Waschtische usw., auch haben wir noch kein Sofa und keine Hausuhr. Besonders erwünscht sind Fahrstühle für kranke Kinder.“

Knabenschlafsaal

Bereits 1899 musste das Haus erweitert werden, so dass bis zu 800 Kinder in Laufe eines Sommers aufgenommen und behandelt werden konnten, nach 1902 wurden auch Winterkuren durchgeführt, so dass die Anstalt das ganze Jahr hindurch geöffnet war.

– Fortsetzung folgt –

Quellen:
de.wikipedia.org
„Geschichte der Kinderheilanstalt Bad Salzdetfurth“, Wilhelm Hartmann, 1954
„Bad Salzdetfurth – Salzstadt mit Tradition“, Regina Mundel, 1999

(as/hg)


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So fing alles an: Kindeswohl in Salzdetfurth

Von der Kinderheilanstalt zum
AWO Sprachheilzentrum in Bad Salzdetfurth – 1. Teil

1881 – Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser, vermählt sich in Berlin mit Auguste Viktoria, in Südafrika wird der Erste Burenkrieg beendet und in Salzdetfurth wird eine Heilanstalt für „skrofulöse und tuberkulosekranke Kinder aus minderbemittelten Volksschichten“ gegründet.

Die Stadt Bad Salzdetfurth war damals weder Stadt noch Bad, sondern einfach Salzdetfurth – ein Flecken, der vom Kali-Bergbau gekennzeichnet war. Ein etwas hochtrabend sogenanntes „Badehaus“ war eigentlich nicht mehr als eine Ansammlung von mit Sole oder Moor gefüllten Badewannen in einem Fachwerkgebäude neben dem Hotel „Kronprinz“. Die große Zeit der Staatsbäder wie Bad Pyrmont, Bad Ems und Baden-Baden war zwar schon angebrochen, an Salzdetfurth allerdings vorbei gegangen. Weder Kaiser, noch Adel oder Hochfinanz flanierten durch den damals noch kaum angelegten Kurpark.

Aber Salzdetfurth lag günstig zu den Städten Hildesheim und Hannover und die Fleckensvertretung (heute würde man es wohl Stadtverwaltung nennen) bot ein Grundstück in geeigneter Lage an bzw. bis zu einem Neubau ein Haus mietfrei zur Verfügung.

1. Kinderheim in Bad Salzdetfurth

1. Kinderheim in Bad Salzdetfurth

Und so wurde am 1. Juli 1881 ein Haus in der Gartenstraße in Bad Salzdetfurth bezogen, das etwa 20 Kinder Platz bieten konnte. Diese Einrichtung war ganz auf die Mildtätigkeit der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. In den alten Listen kann man genau nachlesen, wie bescheiden diese Anfänge waren: So schenkte eine Frau Grumbrecht aus Salzdetfurth der Kinderheilanstalt einige Garnituren Bettwäsche und Handtücher, Klempner Rasche Küchengerät und Kaufmann Schneider Porzellan, der Tischler Rodemann eine Bettstelle (Bettgestell) und Mühlenbesitzer Uhde steuerte 50 Pfund Roggenmehl bei.

Wird Fortgesetzt!

(as/hmo)

Quellen:
de.wikipedia.org
„Geschichte der Kinderheilanstalt Bad Salzdetfurth“, Wilhelm Hartmann, 1954
„Bad Salzdetfurth – Salzstadt mit Tradition“, Regina Mundel, 1999