Sprache verbindet …

AWO Sprachheilzentrum Bad Salzdetfurth


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Rückblick auf den Fachtag „Sprache verbindet“ am 10.03.2016

„Mehr Sprache(n) – Mehr Chancen“ war das Motto unseres Fachtages zum Thema Mehrsprachigkeit, Migration und (Inter-)Kultur.

Bereits zum Eingang wurde von Heide Goeden als Einrichtungsleiterin des Sprachheilzentrums die Frage gestellt, welches Satzzeichen denn hinter dieses Motto gehöre – ein Punkt, ein Ausrufe- oder gar ein Fragezeichen? Die Fachberaterin für „Hören und Sprache“ Anne Kuhn griff diese Gedanken auf. Sie leitete mit sehr persönlichen Erfahrungen in der Begegnung mit fremden Sprachen und mit unterschiedlichem Umgang in der Kommunikation in die Vortragsreihe ein. Durch unsere verschiedenen Fachvorträge rund um das Thema konnten die Besucher_innen sich intensiv mit dieser Frage auseinandersetzen.

Frau Dr. Ann-Kathrin Bockmann von der Universität Hildesheim stellte zunächst heraus, wie eng Sprache und Gefühl zusammen gehören. „Mutter-Sprache“, der Begriff beinhaltet auch emotionale Werte wie Vertrautheit, Wärme, Zugehörigkeit. Was bedeutet es aber für denjenigen, der sich aus dieser Sprache löst und in eine andere, eine zweite Sprache hineinwächst? Tun sich tatsächlich Chancen auf? Aus Sicht von Frau Dr. Bockmann ist das der Fall. Neues entdecken, sich im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Sprache „an-eignen“, sie zur eigenen Sprache zu machen, das ist eine der Chancen, die sich Mehrsprachigen bieten.

Nicht nur die Sprache ist jedoch ein wichtiges Mittel, um sich oder Anderen Chancen zu eröffnen. Auch die Kultur, die dahinter steckt, ist wichtig. Sie zeigt uns, welche Bedeutung das Kommunizierte hat – nicht nur das Gesprochene, sondern auch das, was unser Körper dabei ausdrückt, ist wichtig. Henrik Wittek vom Sprachheilzentrum Bad Salzdetfurth ging in seinem Vortrag darauf ein, wie unsere eigene Kultur uns manchmal den Blick verstellt auf das, was wirklich zählt. Chancen zum Miteinander öffnen, dazu gehört auch, Gefühle von Fremdheit auszuhalten. Auch mal, eine Situation nicht zu verstehen. Dennoch ist es möglich, auf eine gemeinsame Lösung und gemeinsame Entwicklungen zu vertrauen. Insbesondere in interkulturellen Elterngesprächen kann das zwar lange dauern, aber viele Chancen für alle Beteiligten kreieren.

Im Abschlussvortrag stellte Lehrlogopädin Funda Can vor, wie bei einer gestörten Sprachentwicklung in mehreren Sprachen vorzugehen ist. Dabei ist schwierig, dass es keine einheitliche Definition des Begriffs „Mehrsprachigkeit“ gibt – und kaum normierte oder standardisierte logopädische Testverfahren, um eine Differentialdiagnostik bei spezifischen Sprachentwicklungsstörungen (SSES) in mehreren Sprachen zu ermöglichen. Eines steht für Frau Can jedoch fest: Die Mehrsprachigkeit kann kein Auslöser für eine SSES sein. Eltern sollten vielmehr darin bestärkt werden, diejenige Sprache zu Hause zu sprechen, die sie sicher können – denn nur so können die Kinder eine richtige sprachliche Struktur erlernen und die Chance erhalten, in mehreren Sprachen zu Hause zu sein.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden diese Themen wieder aufgegriffen. Gemeinsam mit dem Deutschlehrer Peter Zerulla-Alphei und der „Rucksack“ – Multiplikatorin Renate Schenk wurden Ideen zusammengetragen, wie pädagogische und therapeutische Fachkräfte an der Entstehung von Chancen durch Mehrsprachigkeit beteiligt sind und sie günstig beeinflussen können. Es gibt zahlreiche Ideen und alltagstaugliche Möglichkeiten, wie mehr Sprache(n) zu mehr Chancen werden können. Für diejenigen, die diese Sprachen sprechen oder erlernen, und für diejenigen, die diesen Menschen begegnen. Damit gehört hinter unser Motto „Mehr Sprache(n) – mehr Chancen“ als Bilanz des Fachtages ein saftiges Ausrufezeichen.

Alle Vorträge stehen hier elektronisch zur Verfügung. Wenn Sie mehr Informationen zu diesem Thema wünschen, melden Sie sich gerne!

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(hw/hg, Fotos: bb)


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Redebeiträge, Lieder und ein Gedicht

Olaf Lies

Olaf Lies, stellv. SPD-Fraktionsvorsitzender im Nieders. Landtag

„Das fragt man mich als Ingenieur!“

beschwerte sich Olaf Lies scherzhaft. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag setzte sich kenntnisreich und wohlüberlegt mit der zukünftigen Bildungs- und Sozialpolitik unter dem neuen Inklusions-Himmel auseinander. Ein sympathischer Profi!

Anne Kuhn vom Landessozialamt erläuterte die Geschichte der Sprachheilarbeit in Niedersachsen und gab einen detaillierten Einblick in die Arbeit der Fachberater. Sie verwies darauf, wie schwer es ist, eingefahrene Sprechabläufe neu zu lernen und beizubehalten.

Dass die Effekte durchaus „messbar“ sind und die Arbeit des Sprachheilzentrums nachhaltig wirkt, konnte Dr. Ann-Katrin Bockmann von der Uni Hildesheim in ihrem Vortrag deutlich machen. Sie führte dafür mehrere Studien an und drückte ihre Anerkennung auch dafür aus, dass schon einige Studien der Uni im Sprachheilzentrum durchgeführt und unterstützt wurden.

Aufgelockert wurde die Vortragsreihe durch Einlagen des Sprachheilkindergartens. So gab es ein Mitmach-Lied, das alle Anwesenden von den Stühlen riss und einen launiges mit schönen Fotos untermaltes Gedicht über den Kindergartenalltag.